Sicher «runter kommen» dank persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA)

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Jährlich ereignen sich laut SUVA bei Bau- und Montagearbeiten zahlreiche Arbeitsunfälle durch Absturz, die auf fehlende Absturzeinrichtungen zurückzuführen sind. Die Folgen können gravierend sein: nach einem Absturz ist es nicht selten, dass der Benutzer invalid wird oder gar tödlich verunglückt.

Es ist deshalb unverzichtbar, auf eine passende und den Ansprüchen an das Arbeitsumfeld angepasste PSA gegen Absturz (PSAgA) zurückzugreifen und so das Risiko schwerer Unfälle um ein Vielfaches zu minimieren.

Wo kann eine Absturzsicherung verwendet werden?

Eine PSAgA kann in vielen Fällen zum Einsatz kommen. Hierzu zählen vor allem:

  • Arbeiten an und auf Dächern, Fassaden und Gebäuden
  • Arbeiten auf Kränen
  • Arbeiten in Hochregallagern
  • Arbeiten auf Fahrzeugen
  • Arbeiten auf Masten und Freileitungen
  • Arbeiten auf Bäumen
  • Arbeiten auf Leitern
  • Arbeiten im Steilgelände
  • Arbeiten in Schächten oder Kanalisationen

Welche Kriterien sind bei der Auswahl der PSA gegen Absturz zu beachten?

Das Arbeiten mit der PSAgA verlangt die Anwendung einer Systempriorisierung. So wird das Restrisiko bei gefährlichen Arbeiten in der Höhe um ein Vielfaches reduziert. Priorität 1 sollte hierbei das Rückhaltesystem sein, welches meist aus einem Auffanggurt und einem Seil mit Seilkürzer besteht. Ziel des Rückhaltesystems ist es, Personen von der Absturzgefahr fernzuhalten. Priorität 2 wird dem Positionierungssystem zugeschrieben, das durch die Positionierung des Benutzers ein freihändiges Arbeiten ermöglicht und den freien Fall verhindert. Die dritte und letzte, jedoch nicht weniger wichtige Priorität hat das Sturzauffangsystem, das den Benutzer im Falle eines Absturzes auffängt und den Fangstoss minimiert. Um das Gefahrenrisiko weiter zu minimieren (z.B. zur Reduktion der Fallhöhen), können zudem Höhensicherungsgeräte eingesetzt werden. Da diese jedoch oftmals ausschliesslich für vertikale Überkopfeinsätze zugelassen sind, ist es unabdingbar, bei einem horizontalen Einsatz die Herstellerinformationen zu lesen und sie nur dann dafür zu verwenden, wenn es vom Hersteller ausdrücklich empfohlen ist.

Wie ist eine wirkungsvolle PSAgA aufgebaut?

 

Der Auffanggurt

Der Auffanggurt stellt das Halte- und Positionierungssystem und somit die Schnittstelle zwischen Benutzer und der Sicherungskette dar, welches das freihändige Arbeiten in Höhen ermöglicht. Wichtig ist hier, auf ein ergonomisches Design zu achten, das sich dem Benutzer optimal anpasst und für Sicherheit sowie Vertrauen in die Ausrüstung sorgt. Im Falle eines Absturzes werden die Auffangkräfte effektiv auf die Oberschenkel, das Becken, den Brustkorb und die Schultern verteilt und von den inneren Organen abgeleitet.

 

Das Auffanggeraet

Das Auffanggerät (mitlaufend)

Das Auffanggerät verbindet den Auffanggurt mit einem geeigneten Anschlagpunkt. Zudem wird es als Seilkürzer verwendet. Zu beachten ist unbedingt, dass das Auffanggerät- sofern nicht vom Hersteller anders gekennzeichnet- ausschliesslich im vertikalen Einsatz verwendet werden darf. Im Falle eines Sturzes oder plötzlicher Beschleunigung blockieren sie am Seil und fangen einen Absturz so auf.

 

Das Hoehensicherungsgeraet

Das Höhensicherungsgerät

Das Höhensicherheitsgerät ist Teil des Auffangsystems, das – in Verbindung mit einem Auffanggurt-im Falle eines Absturzes selbstständig bremst und den Fall so abfängt (ähnlich eines Sicherheitsgurtes in Automobilen). Genau wie das Auffanggerät dürfen Höhensicherungsgeräte – wenn nicht vom Hersteller anders deklariert- ausschliesslich im vertikalen Einsatz verwendet werden.

 

 

So sieht die korrekt angelegte PSAgA aus:

 

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Kontrolle und Wartung

Arbeiten in Höhen können mitunter lebensgefährlich sein. Umso wichtiger ist es, dass die Ausrüstung und alle zugehörigen Teile in einem einwandfreien Zustand sind. Die EN 365 Norm stellt deshalb die Empfehlung, die PSAgA mindestens 1 Mal jährlich (alle 12 Monate) durch eine fachkundige Person kontrollieren zu lassen. Ist die Absturzsicherung gar täglich im Einsatz, so sollte sie 2-3 Mal jährlich kontrolliert und überprüft werden. Unabhängig der regelmässigen, fachkundigen Prüfungen sollte jeder Benutzer seine Ausrüstung vor jedem Einsatz selbst auf etwaige Defekte überprüfen und diese fachmännisch reparieren (lassen). Halte- und Auffanggurte haben zudem ein vom Hersteller angegebenes „Ablaufdatum“, das unbedingt eingehalten werden sollte. Im Falle eines Absturzes, starker thermischer Belastung, nach starker Verschmutzung oder deformierten Beschlagteilen muss die Ausrüstung kontrolliert und gewartet sowie Gurte, Seile etc. ersetzt werden.

Achten Sie auf einen ordnungsgemässen Zustand- Ihr Leben könnte daran hängen!

Grundsätzlich dürfen nur Fallschutzprodukte eingesetzt werden, die durch einen Sachkundigen geprüft und freigegeben sind.

Beschädigte Fallschutzprodukte müssen unverzüglich aus dem Verkehr gezogen werden.

 

Beispielsweise:

  • Bei Beschädigungen an Bändern und Nähten bei Gurten und Seilen
  • Bei starker thermischer Belastung, Schmelzspuren, eingebrannten Schweissperlen usw.
  • Bei deformierten, korrodierten und nicht funktionstüchtigen Beschlagteilen
  • Bei starken Verschmutzungen
  • Nach einer Sturzbelastung
  • Bei Kontakt mit Chemikalien
  • Bei intensiver Belastung durch UV-Strahlung
  • Unleserliche Typenschilder

 

 

Wichtiger Hinweis: Gurte und Seile, insbesondere die Typenschilder dürfen nicht mit Markierstiften gekennzeichnet werden. Es sei denn, es existieren explizit zur Beschriftung vorgesehene Stellen!

 

Gebrauchsdauer von Fallschutzprodukten – Sind Ihre Fallschutzprodukte noch einsatzfähig?

Die Gebrauchsdauer von Fallschutzprodukten ist abhängig von den jeweiligen Einsatzbedingungen. Hierbei sind laut BGR 198 konkrete Zeiträume definiert:

Gebrauchsdauer:

  • Für Gurte: 6-8 Jahre
  • Für Verbindungsmittel (Seile/Bänder): 4-6 Jahre

Spätestens danach sind die Produkte aus dem Verkehr zuziehen.

Wichtige Hinweise: Jedes Fallschutzprodukt ist mit einem Typenschild versehen,, auf dem das Baujahr aufgedruckt ist. Da zwischen Herstellung und Ersteinsatz des Produktes z.T. mehrere Monate vergehen können, gilt als Stichtag für die Berechnung der Ablegereife das Datum des Lieferscheins von Würth.

Hierzu muss das Lieferscheindatum in der Kontrollkarte des jeweiligen Produktes protokolliert werden. Dieses Datum ist auch Grundlage für die gesetzlich vorgeschriebene jährliche Sachkundigenprüfung. Voraussetzung ist eine Lagerzeit bis max. 2 Jahre.

Die persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz muss entsprechend den Einsatzbedingungen und den betrieblichen Verhältnissen, nach Bedarf, mindestens jedoch alle 12 Monate auf ihren einwandfreien Zustand durch einen Sachkundigen geprüft werden.

Fazit

Bei der PSAgA handelt es sich um eine der wichtigsten Schutzausrüstungen die es gibt. Gerade deshalb sollt eine hohe Tragdisziplin vorhanden sein, die im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden kann. Ebenso ist eine regelmässige Kontrolle auf Mängel und Defekte unabdingbar, um für Sicherheit zu garantieren. Im Zweifel sollte vor der Verwendung einer Absturzsicherung eine fachkundige Person zu Rate gezogen werden. Weitere Informationen können auch direkt bei der SUVA eingesehen werden.

Eine aktuelle Checkliste zur Kontrolle Ihrer PSAgA finden Sie hier!

 

Weitere Infos finden Sie auch hier in unserer Broschüre zum Thema!

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